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Liebe als Beginn und Quell eines Streites?

Begegnen wir jemand anderem, so begegnen wir uns selbst, als würden wir uns in einem Spiegel betrachten. Es kommen Gefühle und Bedürfnisse auf, die nur aus der Gesellschaft mit anderen Menschen entspringen. Für manche mag das Gefühl, begehrt zu werden, die Grundlage zur Selbstbestätigung sein. Andere drängt es sehr nach Zuneigung, doch es ist die persönliche Unsicherheit, welche einem den Weg in die Arme des geliebten Menschen verwehrt. Die Suche nach der eigenen Identität, die einen verzweifeln lässt. Wir wollen zwischen verschiedenen Geschlechterbildern und den scheinbar wichtigen gesellschaftlichen Normen unserer Zeit eigentlich nur eines finden: Das wunderschöne Gefühl, geliebt zu werden und zu lieben.

Dass dieses Ziel kein leicht zu erreichendes ist, fällt einem als Zuschauer recht schnell in der neusten Inszenierung der Theater AG des Schulzentrums Süd auf. Die Komödie „Der Streit“ von dem französischen Dramatiker Pierre Carlet de Marivaux wird hierbei in das Gewand einer selbstgeschriebenen zeitgenössischen Interpretation mit zusätzlichen Handlungssträngen und neuen Charakteren gekleidet. Das Stück brilliert durch das facettenreiche Schauspiel der wie verwandelten Jugendlichen. Man mag kaum glauben, dass sich hinter dem feinen bunten Stoff der Rokokokleider und der kunstvollabstrakten Maskerade junge Schüler verbergen, die zum Beginn der nächsten Woche statt über die Bühne zu springen, wieder hinterm Schülerpult Platz nehmen und sich mit Schulaufgaben rumschlagen müssen. Doch worum geht es eigentlich?

Der von sich selbst überzeugte Fürst (Bennet Hinz) und die nachdenkliche Madame Germaine (Merle Pinnau) scheinen so verschieden zu sein und doch eint und trennt sie im selben Moment eine Überzeugung: „Der andere hat Schuld und ich habe recht“. In dem Fall geht es um die Frage, wer sich in einer Beziehung zuerst der Untreue schuldig macht, der Mann oder die Frau? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, wird ein Experiment begonnen, dessen Leitung der wissbegierigen Wissenschaftlerin Prof. Dr. Dr. Loxley (Felicitas Eichlohn) obliegt. Zwei Gruppen von Kindern wachsen in zwei unterschiedlichen Zeitebenen bzw. Gesellschaftsformen auf. Die einen im Zeitalter des Rokokos (18. Jahrhundert) und die anderen in unserem 21. Jahrhundert. Dabei begegnet jedes Kind zuerst ausschließlich speziell ausgesuchten Erziehern: Carise (Lea Schildt), Mesrou (Jonas Mayer) und Shira (Laura Spincke), bis die Kinder sich eines Tages auch gegenseitig in ihrer Zeitebene kennenlernen, als das Experiment beginnt.

Ab dann nimmt die Handlung Fahrt auf. In der Vergangenheit duellieren sich die beiden selbstverliebten Prinzessinnen Eglé (Tamina Schaaf) und Adine (Jette Freter) im Konkurrenzkampf um Schönheit und Begehrung und tauschen dabei glatt ihre Geliebten Azor (Tim Birchner) und Mesrin (Leandro Rohwedder). Während in unserer Zeit die beiden Mädchen Kim (Emma Borchers) und Aurelia (Fenja Möll) noch gar nicht wissen, was Liebe bedeutet, was sie wollen und wer sie eigentlich sind. Glück scheint nur das frisch gefundene Pärchen, bestehend aus Jan (Friedemann Müller) und Jennifer (Antonia Boye), gefunden zu haben. Zu allem Überfluss spinnt einer der Wächter des Experiments, Peppone (Benedikt Richard Krause), seine ganz eigenen Rachepläne gegen seine Chefin Prof. Dr. Dr. Loxley. Das ganze Experiment schlägt schrecklich fehl und doch scheint es genau dadurch so viele Antworten auf psychologische Verhaltensfragen des Menschen zu offenbaren.

Die Beziehungsrollen, die beispielsweise die Prinzessinnen des Rokokos mit scheinbarem Vergnügen annehmen, entpuppen sich als enges Korsett der barocken Gesellschaft, in das sich die Mädchen zwängen müssen und in denen für die wahre Liebe kein Platz zum Atmen bleibt. Es geht weder um Vertrauen, noch innige Zweisamkeit oder beständige Zuneigung, sondern um Ansehen, Einfluss, Oberflächlichkeit in Sachen Liebe, Eifersucht und immer neue Lustspiele. Von Treue ist hier keine Spur, bei beiden Geschlechtern nicht, so passen sich auch die jungen Männer dem machthungrigen System dieser gespaltenen Gesellschaft an.

In unserer Zeit ist die Gesellschaft jedoch eine liberalere geworden, der Liebes- und Beziehungsbegriff hat sich gewandelt und dennoch tun sich für die Kinder auf ihrer Suche nach Liebe und Geborgenheit Schwierigkeiten und Fragen auf. Warum muss es nur ein Mensch zur Zeit sein, dem man seine Liebe schenkt? Ist es unnatürlich, wenn man sich selbst in seinem eigenen Körper fremd und vom eigenen Geschlecht angezogen fühlt? Es bleibt nicht nur beim anfänglichen Streit zwischen dem Fürsten und Madame Germaine. Dort, wo die Zuneigung wächst, scheinen zwischen den Kindern auch neue Konflikte zu gedeihen, aber gerade an dieser gefühlvollen Auseinandersetzung, diesen widersprüchlichen Gedanken und Perspektiven wachsen die Kinder. Wo aus Liebe Streit wurde, entsteht nach der Überwindung eine viel tiefgehendere Beziehung zwischen Menschen, die ihre eigenen Identitäten in der Freiheit von den gesellschaftlichen Zwängen finden.

Es kommt natürlich auch zu viel Chaos zum Leid der Prof. Dr. Dr. Loxley. Dabei zeigt ihre Verbissenheit, durch gezielte Versuchungen die Menschen zum Reagieren zu zwingen, nur den krampfhaften Versuch, eindeutige Antworten auf die Fragen zur Liebe und Untreue zu finden. Dieses Bestreben scheitert, während die Kinder aus ihren Konflikten eine Stärke entwickeln. Der Streit, der sie anfangs trennte, führt sie beim stetigen Näherkommen des Endes näher zusammen, bis sie von ihren Erziehern in die Freiheit aus diesem Experiment geführt werden und als junge Erwachsene sich dem Leben der weiten wirklichen Welt entgegenstellen.

Die Kinder begegnen sich während des Experiments, ecken aneinander und lernen dabei viel über sich selbst und das System, in das sie hineingeboren wurden. Sie hinterfragen letzteres. Sie reflektieren sich selbst und entwickeln sich während dieses Prozesses zu selbstständigen Individuen. Die Schuldfrage wandelt sich zu einem Entdecken der Selbst- und Fremdliebe, welche sich aufgrund der Befreiung von den gesellschaftlichen Fesseln und dem Finden der eigenen Identität sowie der individuellen Sexualität auf völlig neue Weise entfalten können.

Was in dem kleinen von Marivaux geschaffenen Labor geschieht, findet ebenfalls auf der großen Bühne des Lebens seinen Platz und widerspiegelt ehrlich und bedeutsam auf zeitlose Weise auch das Wesen und die Werte unserer heranwachsenden Generation. Dies ist gewiss dem Geschick der jungen Autoren zu verdanken, die sich mit ihren vielseitigen Ideen diesem Stück gewidmet haben, um es in den Rahmen der heutigen Zeit und Gesellschaft einzubetten.

Inszenatorisch begeistert das Stück ebenfalls durch die liebevolle und kreative Regiearbeit von Carsten Rieck und Angela Isbaner, den Leitern der Theater AG. Humor, Charme, Tragik und vor allem Liebe bietet „Der Streit“. So viel Liebe, Verständnis und Akzeptanz, dass am Ende gar kein Platz mehr für einen Streit bleibt. Obwohl sogar eine gewisse Vorfreude auf zukünftige Wortgefechte beim Fürsten durchschimmert, als er mit seiner Gattin die Bühne verlässt. Es macht aber den Eindruck, als wäre auch die Gattin auf den Geschmack kontroverser Dispute gekommen. Wie es scheint, kann ein Streit nicht nur ein Ausdruck welkender Liebe sein, sondern das neue Aufleben von Leidenschaft und Glück bedeuten. Sollte man sich also wieder einmal in einem Streit wiederfinden, genügt die Erinnerung an dieses wundervolle Stück. Schon beschwört der Streit nicht nur das nahende Ende einer Beziehung, sondern wird zu einer Chance, zu einem Quell und einem Beginn neuer Liebe, der tiefen Bindung zweier glücklicher Menschen. Wir können aus unserer Verschiedenheit eine Stärke machen, die uns eint.

Tim G. Q3b

Die Theater-AG am Lise-Meitner-Gymnasium

Dank der Zusammenarbeit mit der offenen Ganztagsschule gelingt es seit einigen Jahren, sehr erfolgreiche Theaterproduktionen auf die Bühne zu bringen.

Ein kleiner Überblick findet sich hier:

 

Theaterprojekt 2006   Ein Sommernachtstraum

Theaterprojekt 2007   Die Vögel

Theaterprojekt 2008   Die Dreigroschenoper  -  Bilder von der Aufführung

Theaterprojekt 2009   Shakespeares Wie es euch gefällt

Theaterprojekt 2010   Das Musical HAIR  -  Bilder von der Aufführung

Theaterprojekt 2011   Der kaukasische Kreidekreis  -  Bilder von der Aufführung

Eine Vorschau auf das Theaterprojekt des Jahres 2012, die Komödie "Ein Engel kommt nach Babylon" von Friedrich Dürrenmatt, findet man hier

Theaterprojekt 2012  -  Ein Engel kommt nach Babylon  -  Bilder von der Aufführung (Fotos von Lil Lüdemann)

Ankündigung des Theaterprojektes 2013: "Was Ihr wollt" 

Theaterprojekt 2014 Alice im Wunderland 

Theaterprojekt 2015 Viel Lärm um nichts

Theaterprojekt 2016 Ein Sommernachtstraum

Kritik der Aufführung "Was Ihr Wollt" in der Norderstedter Zeitung.

Viel Lärm um nichts - Rezension aus der Norderstedter Zeitung

Wir freuen uns, dass wir an dieser Stelle mit Erlaubnis des Hamburger Abendblattes (Regionalausgabe Norderstedt) die Theaterkritik der Redakteurin Heike Linde-Lembke, die am 21. November 2015 in der Norderstedter Zeitung erschien, wiedergeben können:

Großer Spaß bei "Viel Lärm um nichts"

Von Heike Linde-Lembke 

Norderstedt.  Shakespeare! Er war in jeder Minute zu spüren bei der Premiere seiner Komödie "Viel Lärm um nichts" der Offenen Ganztagsschule am Schulzentrum Süd. Einmal im Jahr führen die Lehrerin Angela Isbaner und der freie Regisseur Carsten Rieck-Ballhorn am Schulzentrum Süd mit Schülerinnen und Schülern einen Theaterklassiker auf. Immer mit großem Erfolg. Auch "Viel Lärm um nichts" bejubelte das Premieren-Publikum, darunter auch Hella Schmitt, Vorsitzende der Norderstedter Kulturstiftung und des Lions-Clubs Forst Rantzau Norderstedt, und Peter Kafurke vom Rotary-Club Norderstedt, die die Aufführungen unterstützen.

Munter mischen die Schüler, Isbaner und Rieck-Ballhorn das Shakespearsche Lustspiel mit Charleston und 20er-Jahre-Evergreens auf. Frech fallen Wörter wie "Arsch" oder "Spacken", – der alte, aufmüpfige und immer noch aktuelle Dichter aus Stratford-Upon-Avon hätte dieses Aufmotzen seines ohnehin oft drastischen Textes sicherlich mit breitem Grinsen goutiert.

Die Schüler jedenfalls zelebrieren Shakespeares Sprache, als sei es ihre eigene, die so ganz im Gegensatz zur Twitter- und Facebook-Sprache steht. Aber gerade dieser Gegensatz macht mit der ungebrochenen Aktualität des Stoffs den Reiz aus.

Mit Lust und Spielfreude bringen die Schüler die Intrigen um Lust und Liebe, Hass und Macht auf die Bühne, und erzählen die Geschichte mit viel Esprit. Vor allem Annabell Arndt als Beatrice versteht es, ihre Rolle mit einer köstlichen Mischung aus Schnoddrigkeit und Eleganz zu prägen, ohne den Charakter der aufmüpfigen Beatrice zu vernachlässigen. Kevin Rezai spielt den der Liebe abtrünnigen Benedikt mit jener Selbstverliebheit, die Shakespeares Männer haben, vermag es aber, eine gehörige Prise Selbstironie darunterzumischen. Nele Engbrecht ist eine liebliche Hero, Finn Friedrich ein braver Claudio. Eva Dulkies spielt Heros Mutter mit lakonischem Witz, Tobias Böttger ist ein netter Prinz, während Maurice Liauka als Don Juan fies und hinterhältig auftrumpfen kann. Insgesamt legen alle 25 Spielerinnen und Spieler eine veritable Commedia dell'arte auf die Bretter, um die die Bühnenbild-AG eine pittoreske Kulisse gebaut hat.

Norderstedter Zeitung, 21. November 2015

Viel Lärm um nichts - Eine Rezension von Michael Hille (12. Jahrgang am LMG)

„Viel Lärm um Nichts“ bekommt man ja in so manchem Theaterstück unfreiwillig zu sehen. Doch die Theater-AG der OGS (ab Klasse 8) übt nicht etwa Selbstkritik, wenn sie mit Stolz davon spricht, im November 2015 „Viel Lärm um Nichts“ erfolgreich aufgeführt zu haben, handelt es sich dabei doch um ein berühmtes Theaterstück von William Shakespeare. Die Anforderungen waren für die Mitglieder der AG dementsprechend enorm, schließlich sind bei einem Shakespeare-Stück die Erwartungen immer noch mal eine ganze Spur höher. Und durch die berühmte Verfilmung von Kenneth BRANAGH aus dem Jahre 1993 muss es für die beiden Leiter und Regisseure Angela ISBANER und Carsten RIECK-BALLHORN noch einmal umso schwerer gewesen sein, eine eigene, frische und doch original-getreue Umsetzung der Tragikomödie auf die Beine zu stellen. Trotz der im Original teils verwirrenden Geschichte und dem hohen Maß an Tragik und Ernsthaftigkeit in diesem Stück, welche im krassen Gegensatz zu Lewis CARROLLS „Alice im Wunderland“, welches letztes Jahr aufgeführt wurde, stehen, bleibt am Ende festzuhalten:

Es ist ihnen geglückt!

„Viel Lärm um Nichts“ ist bereits im Original eine wundervolle Geschichte. Doch wäre sie, wortwörtlich überliefert, heute wohl nur in Teilen noch verständlich. Daher tat man hier richtig damit, die Sprache an vielen Stellen zu modernisieren. Richtig grandios wird dies immer dann, wenn aus derartigen sprachlichen Anachronismen die große Komik resultiert. Doch wie würde der hinterhältige Boracchio an dieser Stelle wohl sagen? „Ich fange die Geschichte falsch an.“ Zu aller erst muss nämlich festgehalten werden, dass bereits das erste Momentum des Stücks nach einer Spannung erweckenden Ansprache von Jaqueline RADTKE dazu fähig ist, begeisterten Applaus auszulösen. Die Bühnenbild-AG hat ganze Arbeit geleistet und eine wunderbare Kulisse für die folgenden zwei Stunden geschaffen. Ein großer Baum mit Blumenketten geschmückt ziert die rechte Seite, während die linke sowohl an einen türkischen Bazar als auch an eine ehrwürdige Residenz eines Monarchen erinnert und im direkten Kontrast zum Baum auf der rechten Seite eine wahnsinnige Atmosphäre schafft. Hinzu kommt, dass in nahezu jeder Szene viele kleine Rollen auf der Bühne versammelt sind und durch ihre tollen Kostüme (meist elegante schwarze Kleider) und ihre Präsenz selbst die Bühne nie still zu stehen scheint und selbst im Hintergrund immer etwas passiert. Macht man sich den Spaß und schaut einmal an den Akteuren im Vordergrund vorbei, so beobachtet man viele kleine durchchoreographierte Konversationen, in denen alle Darsteller ein erstaunlich nuanciertes Spiel beweisen und sehr zur Lebendigkeit der Handlung beitragen!

Doch natürlich sollte man seinen Blick nicht nur an den Hauptdarstellern vorbeischweifen lassen, denn dort würde einem so mancher großer Spaß entgehen. Ganz zentral steht natürlich das Liebespaar, welches nach dem glücklichen Zusammenfinden durch eine schurkische Intrige erst getrennt und schließlich wieder zusammengeführt wird. Finn FRIEDRICH überzeugt als mutiger Kriegsheld Claudio, der anfangs, wenn er sich unsterblich in die schöne Hero verliebt, welche von Nele ENGBRECHT anmutig, aber in den richtigen Momenten auch zerbrechlich gespielt wird, einen braven und gutmütigen Eindruck erweckt, im Verlauf der Intrige jedoch auch eine gehörige Portion Gekränktheit seinem Minenspiel beimischt, weshalb er trotz der Tatsache, unter Einfluss der Täuschung falsch zu handeln, ein Sympathieträger für die Zuschauer bleibt. Häufig auf der Bühne sind die beiden mit Eva DULKIES als Heros Mutter Leonata. Diese war bei Shakespeare zwar noch ein Mann, doch Eva überzeugt mit ihrer tollen Performance, bei der sie alle Emotionen von Trauer und Wut bis hinzu Freude und Tapferkeit mitreißend verkörpert, dass dieser Geschlechtertausch genau richtig gewesen ist und ihre Leonata wird so schnell zu einer impulsiv-glaubhaften Mutterrolle.

Als Prinz und Weggefährte Claudios gibt Tobias BÖTTGER höchst überzeugend den am rationalsten handelnden Charakter des Stücks, der anfangs seinem Freund bei der Eroberung der Angebeteten helfen will (köstlich, wenn er völlig überzogen seine famose Idee einer Täuschungsaktion beim Maskenball präsentiert, während Finns Claudio ihm bereits ab dem zweiten Satz nicht mehr ganz folgen kann) und außerdem zwei unheilbare Feinde ineinander in verliebte Raserei zu bringen versucht, später aber in die böswillige Intrige um Hero mit hineingezogen wird. Hier zeigt sich die wohlüberlegte Auslegung des Stückes und die Stärke der Besetzung. Während Tobias' Prinz Don Pedro als vergleichsweise „netter“ und mit guten Hintergedanken auftretender Intrigant seinen Plan schmiedet, die Protagonisten Beatrice und Benedikt aufeinander aufmerksam zu machen, präsentiert Maurice KIAUKA als böser Bruder („Bastard“) den fesselnden Gegenentwurf, der aus purem Hass und der Lust am Chaos Claudios und Heros Hochzeit sabotiert. Maurice hat sichtlich Spaß dabei, wieder einmal als mächtige Gestalt aufzutreten und wenn er an manchen Stellen seinen Zorn und seine Eifersucht in lauten Schreien entlädt, steht die Bühne nahezu in Flammen. Zugespielt werden ihm die Bälle von den Geschwistern Lynn und Conrad GRÖZINGER, die als Untergebene des „Bastards“ ein schurkisches Paar par excellence abliefern. Conrad, der bereits in den Jahren zuvor mit seinen vielseitigen Auftritten glänzen konnte, ist der ideale Partner für Maurice und auch seine Schwester steht ihm in Ausstrahlung und Mimik in nichts nach. Bei einem derart überzeugenden Gauner-Trio ist es also kaum verwunderlich, dass in deren gemeinsamen Szenen die Spannung im Saal beinahe greifbar ist. Tabea WITTIGs Margarethe ist anschließend noch als ebenfalls nicht ganz durchschaubare und zwischenzeitlich ziemlich fiese Margarethe zu bewundern, und besonders ein toll vorgetragener Monolog ihrerseits, in dem sie über die Unanständigkeit des Wortes „Mann“ sinniert, bleibt dank der Art, wie sie hier die Blicke auf sich zieht, nicht bloß ein intellektueller Genuss.

Doch „Viel Lärm um Nichts“ soll ja nicht nur spannend und tragisch, sondern auch lustig und erheiternd sein. Zu eben diesem Zweck dienen die zwei längeren Auftritte von Malte METZNER als „senilster Diener des Prinzen“: Amtmann Hartriegel, der sich in eloquenten Worten gefällt, allerdings dabei nie wirklich bemerkt, dass Ausdruck und Aussage in seinem Fall nur sehr selten in Einhang (oder doch Einklang?) stehen. Die höchst amüsanten Wortverdrehungen erreichen aber erst dann ein Höchstmaß an Komik, wenn zusätzlich die drei (nicht ganz so männlichen) „Männer“ Merlina WALDEN, Michelle BREEZMANN und Paula DULKIES als Wachen auf der Bühne stehen und ihre „Investitionen“ vom Wachtmeister erhalten, wie es bei den britischen Komikern von Monty Python kaum anders abgelaufen wäre. Die ohnehin schon pointierten Dialoge („Seid allergisch!“) werden von den vier Akteuren mit sichtlichem Engagement und einem ideal aufeinander abgestimmten „Zuspielen“ hervorragend „rübergegeben“ und auch die „Gestikulationierungen“ erreichen einen herrlich „schrägligen“ Charakter. Oder heißt es doch anders? Herr Hartriegel, Sie mögen mich im Zweifelsfall bitte umgehend korrigieren!

Die beiden faszinierenden Hauptrollen der (anfangs, aber später dann doch nicht mehr ganz so) verfeindeten Benedikt und Beatrice, welche bei Shakespeares Stücke zweifelsohne die eigentlichen Stars der Aufführung sind, wurden von der Regie idealerweise mit Kevin REZAI und Annabell ARNDT besetzt. Kevin hat als von sich völlig überzeugter Frauenheld und Herzensbrecher, dem allerdings in den entscheidenden Momenten die großen Worte ausgehen, alle Lacher und Sympathien des Publikums auf seiner Seite und Benedikt wird bei ihm gerade durch seine Macken und Fehler so interessant, schrullig und witzig (oder um die treffende Charakterisierung Benedikts von Don Pedro zu bemühen: „Er ist einfach ein Arsch!“). Ohne jede Mühen versteht er es, eine moderne und bis ins kleinste Detail (sogar die Betonung einzelner Worte wirkt von vorne bis hinten durchdacht) perfektionierte zapplig-übereifrig wirkende Darstellung in einem nur vordergründig naiven Ton vorzuzeigen, die ihren Höhepunkt in der herzerfrischend lustigen Vorhangsszene findet, in welcher Kevin hinter einem Vorhang verhüllt („versteckt“ wäre der falsche Begriff) von Don Pedro, Claudio und Leonata schamlos hinters Licht geführt wird. Wie hier das Treiben auf der Bühne und das nicht sichtbare Treiben Kevins hinter dem Vorhang eine mehrere Minuten andauernde unaufhaltsame Orgie an Lachsalmen auf das Publikum verschießen, ist ganz großes Theater und einen extra langen Applaus wert. Den verdient sich ebenso Annabell, die im letzten Jahr bereits als Alice begeisterte Reaktionen hervorrief und sich hier noch einmal selbst übertroffen hat. Ihr akzentuiertes Auftreten, ihr sichtliches Gefallen am Niedermachen des fast schon Mitleid-erregenden Benedikts und ihre Palette an unterschiedlichen Stimmungen, die sie mit einzelnen Gesichtsausdrücken oder Betonungen abrufen kann, machen sie zur Idealbesetzung für die schwere Rolle der Beatrice. Diese wahrt auch immer ein wenig den ernsthaften Ton der Duelle der beiden liebenswerten Charaktere und erdet so das Geschehen ganz im Sinne des Original-Textes. Im Zusammenspiel mit Kevin finden die beiden zudem den wohl perfekten Mittelweg zwischen Komik und Ernst und zeigen in ihren gemeinsamen Auftritten, die das Stück durchziehen, eine langsame Annäherung, sodass bei der schlussendlichen Zusammenfindung nicht nur die Akteure auf der Bühne selbst das kollektive gerührte Seufzen des Publikums vernehmen können: War es doch laut genug, um auch dahinter hörbar zu sein.

„Viel Lärm um Nichts“ ist eine große Geschichte voller (W)-Irrungen und Konflikten. Gerade daher fällt auf, wie erfrischend leicht, locker und dennoch angemessen sich die Handlung hier gestaltet. Durch die eingangs erwähnte Modernisierung der Sprache (bei der Benedikt ruhig auch mal als „Spacken“ tituliert wird) und eine Reduzierung auf die Kerninhalte gelingt es zu jedem Zeitpunkt, dass Publikum bei der Hand zu nehmen und Shakespeares Erzählung unterhaltsam und verständlich zugleich aufzudröseln. Nur an wenigen Stellen scheint es mal zu schnell oder zu langsam zu gehen, doch auch diese vermeintlichen Längen oder Straffungen erweisen sich im Nachhinein zumeist als dienlich und fördernd, weil sie andernorts für (nötiges) höheres Tempo sorgen. Übrigens: Sogar mit drei Tanznummern, Swing und Charleston (sehr prägnant während des Maskenballs und im allerletzten Momentum), wird man als Zuschauer überrascht und sowohl der Tanzstil als auch die Auswahl der jeweiligen Stücke erweisen sich als absolut passend zum Stil des Stückes und der gewählten damaligen Epoche, den Goldenen Zwanzigern im ART DECO ausgewählt. Es ist in diesem Fall der Mix aus modernen, traditionellen und eigentümlichen Elementen, die hier den Reiz ausmachen und besonders daran hätte sicherlich auch der gute William selbst seine große Freude gehabt.

Ein letztes Kompliment gilt der Technik, ohne welche sämtliche Szenen nicht möglich gewesen wären. Auch in optisch schwierigen Szenen wie etwa den Ausflug des trauernden Claudios in die Todesgruft der vermeintlich verstorbenen Hero gelingt es den Technikern durch eine fokussierende Lichtsetzung und einfachste Tricks und Spielereien, die Glaubwürdigkeit der Situationen ins Unermessliche zu stärken, wovon merklich auch die Schauspieler profitieren können. So kommt wieder einmal alles zusammen und für das Publikum vergeht die Zeit trotz mitreißender und anspannender Szenen (Höhepunkt des Dramas ist natürlich die Hochzeit/Nicht-Hochzeit von Claudio und Hero) wie im Fluge, sodass man „Viel Lärm um Nichts“ einzig und allein den Vorwurf machen könnte, dass es nicht noch eine Spielzeit länger dauert. Dafür darf man sich dann schon aufs nächste Jahr freuen, wenn das Ensemble, von dem einige alte Hasen leider die Theater-AG zwecks Ausbildung oder Studium verlassen werden, Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ präsentieren. Man kann sich sicher sein, dass es mindestens ebenso fantasievoll und lebendig von statten gehen wird.

Ein aller letzter Dank noch mal abschließend an Angela ISBANER und Carsten RIECK-BALLHORN, ohne deren Engagement und Einsatz für die Theater- und Bühnenbild-AG es wohl kaum möglich wäre, uns jedes Jahr aufs Neue derartig gelungene Unterhaltung zu präsentieren.

"Was Ihr Wollt"

Mit Erlaubnis des Hamburger Abendblattes (Regionalausgabe Norderstedt) geben wir hier die Theaterkritik der Redakteurin Heike Linde-Lembke, die am 18. Mai. 2013 in der Norderstedter Zeitung veröffentlicht wurde, wieder:

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Alice im Wunderland - die Aufführungen der Theater-AG 2014

Mit beeindruckender Lust am Theaterspiel, tollem Bühnenbild und drei sehr gelungenen Aufführungen begeisterte unsere Theater-AG, die im Rahmen der OGS unseres Schulzentrums stattfindet, das Publikum.

Ausführliche Rezension der Aufführung 

Es lohnt sich auch, den Stummfilm "Croquet Queen goes Croquet oder Kopf ab" anzuschauen, der im Rahmen der Proben zu "Alice" entstanden ist. (ein bisschen Geduld beim Runterladen - die mp4 Datei sollte sich in einem neuem Fenster öffnen) Oder einen Blick auf die Plakatentwürfe für die "Alice"-Aufführung zu werfen, die der Kunstkurs Q1 von Herr Krüger gestaltet hat.

 

Alice im Wunderland

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“Alice im Wunderland” nach Lewis Carroll mit Elementen aus "Alice hinter den Spiegeln"

von der Theater- und Bühnenbild-AG der Offenen Ganztagsschule im Schulzentrum Süd, Norderstedt, Leitung:  Carsten Rieck-Ballhorn und Angela Isbaner.

Mit seiner Katze Jimmy spielend, folgt das Mädchen Alice einem weißen Kaninchen mit einer Weste und einer Taschenuhr, das stets fürchtet, zu spät anzukommen.   Alice gelangt durch den langen Gang eines Kaninchenbaus in einen Saal mit vielen verschlossenen Türen. Durch einen Trank, der sie verkleinert, und einen Kuchen, der sie vergrößert, muss sie einige Schwierigkeiten bewältigen, bis sie schließlich die passende Größe für die einzige zu öffnende Tür des Saales erreicht.

Sie betritt ein Wunderland mit einer Vielzahl sonderbarer sprechender Kreaturen, die ihr nicht immer wohlgesonnen sind. Sie macht Bekanntschaft mit einer durchgeknallten Vogelschar, einem sonderbaren Blumengarten, einem wandelnden Ei, nämlich Humpty Dumpty, einer rauchenden Raupe, der aggressiven Herzogin und ihrem seltsamen Baby und nimmt an einer verrückten Teeparty mit einem Hutmacher, einer Haselmaus und einem Märzhasen teil. Eine Suppenschildkröte erzählt vom Schulleben unter Wasser. Stets trifft sie auf eine grinsende Katze, die die Fäden in der Hand zu halten scheint.

Verrückt sind eigentlich alle: Im Schloss der Herzkönigin trifft sie auf einen Hofstaat mit Spielkarten und Soldatinnen, die ihrer  sehr grausamen und stets unzufriedenen Königin unterstehen. Alice nimmt an einem sehr eigenartigen Croquetspiel der Königin teil, in dem Flamingos die Schläger und Igel die Croquetbälle bilden. Die ungerechte Herzkönigin pflegt ihre Untergebenen bei jeglicher Unkorrektheit oder auch einfach aus einer Laune heraus köpfen zu lassen und so findet sich auch Alice plötzlich im Zeugenstand, da der Herzbube angeklagt ist, leckere Törtchen gestohlen zu haben. Auch hier fordert die Königin "Kopf  ab!" und der König führt den Prozess. Als letzte Zeugin wird Alice aufgerufen ...

Aufführungen:

 

Premiere                                   Donnerstag, den 13. November 2014

                                                                        um 19.30 Uhr

 

weitere Aufführungen                          am 14.  und 15.11., jeweils um 19.30 Uhr

 

                                               in der Aula im Schulzentrum Süd

                                               Poppenbüttler Str. 230

                                               22851  Norderstedt

 

Karten:                                     8€, ermäßigt: 4€ (Schüler, Studenten, Auszubildende,

                                               Arbeitssuchende, Rentner, BFD-Leistende)

 

                                               Abendkasse: ab 18.45 Uhr geöffnet, Einlass: 19.15 Uhr

                                               Kartenreservierung: 040 -  529 87 530 (Schulbüro)

 

Einstudiert wurde das Stück mit einem engagierten Ensemble der Theater-AG aus 25 Schülerinnen und Schülern des gesamten Schulzentrum Süd (Offene Ganztagschule) unter der Leitung von Carsten Rieck-Ballhorn und Angela Isbaner.

 

Bühnenbild und Kostüme erschaffen von der Bühnenbild-AG von Carsten Rieck-Ballhorn 

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