Ausflug in die Steinzeit

Am Mittwoch, dem 12.09.2018, sind wir, die Klasse 6c, zusammen mit Frau Schmalfeldt und Frau Vetter zum Archäologischen Museum in Hamburg-Harburg gefahren. Treffpunkt war um 9.15Uhr am Glashütter Markt, da wir mit Bus und Bahn hingefahren sind.

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Um 11 Uhr wurden wir von dem Archäologen Holger an der Tür des Museums empfangen. Er erklärte uns die Regeln, führte uns dann erst rein und zeigte uns, nachdem wir unsere Sachen abgelegt hatten, einige Ausstellungsstücke aus der Steinzeit. Eine Urne mit Knochen drinnen, eine Bronzekette, eine Gewandspange, Glasperlen, mehrere Steinmesser und Steinpfeilspitzen.tl_files/images/Geschichte/20180912_122219 (Small).jpg

Wir haben gelernt, wie man mit einer Muschel, Schilfrohr, Kiefersägespänen, Katzengold und einem Feuerstein damals Feuer machte, hatten einen Feuermachwettbewerb in zwei Teams und uns wurde gezeigt, wie man Kerzen machte. Es waren Kerzen aus Knochenfett und Schilfrohr.Zum Schluss durften wir alle unsere eigenen Kerzenschalen töpfern und noch mal in die Steinzeithöhle gucken, in der allerdings nur zwei Steckdosen und mehrere kleine Lampen waren.

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Nach einem kurzen Besuch im Museumsshop war es auch schon wieder Zeit für unseren Heimweg.

Antonia, 6c

Einmal „BallinStadt“ und zurück

Am Mittwoch, den 30. Mai 2018 besuchten wir, die Klasse Ec des Lise-Meitner-Gymnasiums, das Auswanderermuseum der Stadt Hamburg. Nach einer teils gemeinsamen Bahnfahrt in den Stadtteil Hamburg-Veddel, fanden wir uns gegen 10:15 am Haupteingang des Museums ein. Eine Viertelstunde später startete unsere Einführung in Form eines Vortrages durch einen Mitarbeiter der sogenannten „BallinStadt“. Nach diesem informativen und komprimierten Einstieg durften wir die aus insgesamt drei Ausstellungshäusern bestehende Museumsanlage auch auf eigene Faust besichtigen. Als Leitfaden durch die Veranstaltung diente uns eine spezielle Rallye. Neben einem netten, medialen Erlebnis einer individuell angepassten Auswanderergeschichte boten die Ausstellungen eine Vielzahl verschiedener Eindrücke und Details zu Migration im Allgemeinen, zur Geschichte der „BallinStadt“ als großes Zentrum der Auswanderung und zu Albert Ballin selbst. Nach über zwei Stunden, die einem allerdings nur sehr kurz vorkamen, traten wir dann die Heimreise an.

Sowohl Vortrag als auch Ausstellung beleuchteten auffällig viele positive Seiten der früheren Auswandererstadt und ihres Gründers. Ob das noch künstlerische Freiheit oder schon eine deutlich subjektive Darstellung ist, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit sagen. Das Auswanderermuseum „BallinStadt“ bot unserer Klasse dennoch einen spannenden Einblick in das Thema der Migration und besaß zudem einen historisch-regionalen Bezug zu unserem persönlichen Lebensumfeld.

 

Von Bennet Hinz, Ec

Eine Reise in die Steinzeit

Am 14.11.2017 ist die Klasse 6c mit Herrn Kohl und Frau Schmahlfeldt ins Helms Museum gefahren. In einer Höhle mittl_files/images/Bilder/Geschichte/20171114_092226-1 (Small).jpg Malereien an den Wänden hat uns die Museumsführerin etwas über die Steinzeit erzählt und viele Fragen gestellt. Danach sind wir in eine Ausstellung gegangen, wo zum Beispiel ein Faustkeil aus Hamburg, der wahrscheinlich einem Neanderthaler gehörte, und ein Skelett zu sehen war.

tl_files/images/Bilder/Geschichte/20171114_103353 (Small).jpgIm Anschluss sind wir wieder in die Höhle gegangen und haben aus Ton Teelichthalter gebaut. Als alle fertig waren, wurde uns gezeigt, wie wir mit den Mitteln der Steinzeitmenschen ein Feuer machen konnten, um unsere Teelichter anzumachen. Dazu brauchten wir einen Feuerstein, Katzengold, Zunder und eine Schale mit Samen, die wie Heu aussahen. Als erstes haben wir in Gruppen den Feuerstein und das Katzengold gegeneinander geschlagen und damit Funken erzeugt, die auf den Zunder gefallen sind. Nach langem und konzentriertem Pusten hat der Zunder geglüht. Dann kamen die Samen auf die Glut und wir mussten wieder lange und konzentriert pusten, bis endlich ein richtiges Feuer brannte und er Qualm uns die Tränen in die Augen trieb! Endlich konnten wir mit der Flamme unsere Teelichter anzünden.tl_files/images/Bilder/Geschichte/20171114_104054 (Small).jpg

Nach schönen Stunden im Museum sind wir wieder nah Hause gefahren.

Florian und Oskar, 6c

Deutsch-Deutsche Geschichte - Zwei Seminarberichte

Alles nur Geschichte(n)? - Leben im doppelten Deutschland

Am Donnerstag, dem 23. März durfte ich mit meiner Klasse, der 10c des Lise-Meitner-Gymnasiums, an einem Seminar zum Thema der deutsch-deutschen Teilungsgeschichte teilnehmen. Das Seminar erstreckte sich in zwei Blöcken über insgesamt vier Schulstunden. Im ersten Block, geleitet von Niels Dehmel von der Deutschen Gesellschaft e.V. aus Berlin, haben wir eine kurzweilige Einführung in das Thema mit einer anschaulichen Präsentation erhalten dürfen. In den folgenden Stunden schloss sich der zweite Block, ein Zeitzeugengespräch mit Evelyn Zupke, an.

Ich bin sehr froh, dass wir die Möglichkeit zu diesem Seminar hatten. Schon von der ersten Minute an war es sehr spannend und informativ. Von dem, was gesagt wurde, wusste ich schon einiges, aber es gab auch Aspekte, die ich nicht wusste und bei denen mich die genannten Daten & Fakten richtiggehend geschockt haben.

Die Berliner Mauer war 155 Kilometer und die innerdeutsche Grenze sogar 1.376 Kilometer lang. Das sind Größen, die ich mir nicht wirklich vorstellen und richtig glauben kann. Ein Land, das sich zuerst unwillig in zwei Teile teilt, ist schon ungewöhnlich.

Die Grenze zwischen DDR und BRD wurde brutal und strickt bewacht, wir erfuhren, dass insgesamt 55.000 Selbstschussanlagen an der Grenze verteilt waren. Ein Aspekt war hierbei besonders erschreckend: Zwischen Mauer und „Normaler Grenze“ wurde noch Platz gelassen, damit Flüchtige, falls diese auf den letzten Metern angeschossen wurden, noch zurück in die DDR gezogen werden konnten. Schon der Gedanke an die Flucht war verboten und wurde mit bis zu zwei Jahren Haft betraft. Der Versuch zog bis zu 10 Jahren Haft nach sich.

Ein – wäre es nicht so tragisch gewesen – mittlerweile fast belustigendes Thema waren die Wahlen. Die Wahlen waren faktisch einzig eine Entscheidung zwischen „Ja“ und „Ich nehme nicht teil“. Auf dem Wahlzettel standen die Namen der Politiker und die einzige Möglichkeit, „Nein“ zu sagen, war, jeden einzelnen der 10 Namen auf dem Zettel säuberlich durchzustreichen. Jeder andere Streich-Versuch zog eine „Ja“-Stimme nach sich. Herr Dehmel erzählte uns von der Situation, dass manchmal sogar ein Mikrofon in den Wahlkabinen installiert wurde und nachdem man durch dieses Mikrofon gehört hatte, dass jemand 10 Striche gemacht hatte, stand dieser daraufhin sicher unter Beobachtung, wurde direkt abgeführt und zu seinem Wahlverhalten ausführlich befragt.

Wenn jemand einen schrägen Strich über den Zettel machte und nicht jeden Vor- und Nachnamen erwischte, wurde plump darauf geschlossen, dass derjenige zum Teil einverstanden war. Bei zwei Strichen, wie einem Kreuz, wurde darauf geschlossen, dass man besonders einverstanden mit der Wahl sei, da man sich offenkundig an dieser in vielen westlichen Demokratien üblichen Abstimmungsmethode orientiert habe. Solche „Wahlen“ können wir uns heutzutage (glücklicherweise!) gar nicht mehr vorstellen.

Ein für mich positiv zu wertender Teil der DDR war die Kinderbetreuung. Was mich selber besonders beeindruckt: Für jedes Kind konnte von morgens bis abends eine Betreuung in Anspruch genommen werden, so konnten die Eltern, also auch die Mütter, schnell wieder arbeiten gehen. Nach dieser Errungenschaft sehnt sich so manche Familie im geeinten Deutschland der Gegenwart.

Was ich mir zuvor nicht hätte vorstellen können, war, dass sich das Militär so präsent im Alltag zeigte. Wir hörten ein Kinderlied, in dem fröhlich darüber gesungen wurde, dass ein Kind, wenn es groß ist, zum Militär gehen möchte. Der Höhepunkt war die Strophe, in der gesungen wurde, dass es dann Panzer fahren wolle. Ein sehr abstraktes und erschreckendes Bild für uns in dieser Zeit, aber früher in der DDR schien es mitunter alltäglich.

Abschließend thematisierten wir noch die wirtschaftliche Ordnung, das System der Planwirtschaft der DDR, und die auftretenden Versorgungsengpässe. Herr Dehmel stellte jedoch auch klar heraus, dass niemand in der DDR Hunger leiden musste und räumte hier mit einem gängigen Vorurteil auf.

tl_files/images/Geschichte/R-DeutscheTeilung, 10bc, 3.jpgNach einer Pause trafen wir uns mit unserer Parallelklasse, der 10b, im Hörsaal, in dem wir die Zeitzeugin Evelyn Zupke kennenlernten, die uns fröhlich und sehr aufgeschlossen über ihr Leben in der DDR erzählte. Sie steuerte chronologisch von ihrer Kindheit bis zur Wiedervereinigung vor und man konnte ihren äußerst anschaulichen Ausführungen sehr gut folgen. Durch ihre Erzählungen konnte man sich so viel besser vorstellen, wie sich das Leben in der DDR früher gestaltete.Sie erzählte uns von ihrer rebellischen Art, mit der sie sich auch später gegen die bestehende Trennung einsetzte. Sie lebte immer in der Gefahr verhaftet zu werden, hatte aber – nach eigener Ansicht – jedes Mal immenses Glück, ihr Vorhaben weiter voranbringen zu können.

Von einem Vorfall erzählte sie uns dann sehr detailliert:

Mit anderen „Rebellen“ hatte sie vor auf dem Alexanderplatz auf die Wahlforschungen aufmerksam zu machen und letztlich, sobald die Polizei zu nahe kommen würde, in das Wasser des dortigen Brunnens zu springen. Sie meinte hierzu augenzwinkernd, dass ein bisschen Spaß auch in der damaligen Zeit hätte sein müssen, um das eigene Lebensglück zu wahren. Während ich ihr zuhörte, hatte ich mehr und mehr das Gefühl, dass ihr Leben so war, wie in den „Rebellen-Science-Fiction“-Büchern.

Ihre Geschichten haben mich sehr beeindruckt. Evelyn Zupke war und ist eine unglaublich willensstarke Frau, die wahrscheinlich sehr vielen Menschen Hoffnung geschenkt hat und auch etwas zur Wiedervereinigung beigetragen hat. Mir ist klar geworden, dass die deutsche Teilung noch gar nicht so lange her ist und dass es eine unglaubliche Leistung war, Deutschland ohne Gewalt zu vereinen.

Auf Leute wie Evelyn Zupke sollte Deutschland stolz sein und auch auf jeden Menschen, der auch nur leise Widerstand gegen die deutsche Teilung geleistet hat. Durch das Seminar ist mir noch bewusster geworden, dass wir die Vergangenheit nicht ruhen lassen dürfen. Wir müssen die Zeit aufarbeiten, die schlechten, wie die guten Seiten. Aus allem können wir etwas lernen und langweilig ist das schon gar nicht!

Sophie Bartelt (10c)

 

Vier Stunden Geschichte mal anders“

Am 23. März 2017 hatte unsere Klasse (die 10c) das Glück, einen vierstündigen Geschichtsvortrag zur deutsch-deutschen Teilungsgeschichte zu hören und zu erleben. Und ich möchte betonen, dass es Glück war, denn auch die Leute, die sonst im Geschichtsunterricht eher am Gähnen sind, zeigten sich an diesem Tag nicht eine Minute müde. Langeweile kam wirklich nicht auf und von einem spröden Schultag konnte so nicht die Rede sein.

 In den ersten zwei Stunden stellte sich Herr Dehmel von der „Deutschen Gesellschaft e.V.“ aus Berlin vor, ein sehr engagierter, jüngerer Mann. Er hatte eine kurzweilige Power-Point-Präsentation vorbereitet, die uns durch das Thema, welches wir auch aktuell im Geschichtsunterricht behandeln, führte. Einige Punkte und Fakten wusste man schon, aber den Großteil noch nicht, da wir da wir diese erst in den kommenden Monaten erarbeiten werden. Wir machten uns alle ordentlich Notizen, jedoch nicht, weil unser Lehrer uns dazu aufgefordert hätte, sondern tatsächlich, weil uns der Vortrag so interessierte und faszinierte! Denn diese Zeit ist für uns zwar nicht direkt greif- und erfahrbar, aber eigentlich nicht sehr weit weg und oft haben Oma, Opa oder auch unsere Eltern einiges davon mitbekommen und auch erzählt.

Unsere Klasse lernte an diesem Tag viel über den Bau, die Existenz, und den Fall der Mauer. Zum Beispiel, dass die Mauer in Berlin erst nur eine weiße Linie auf dem Boden war, in dessen Nähe auch kaum Kontrollen stattfanden. Die Mauer trennte Berlin offiziell und ohne Möglichkeit diese zu überqueren vom 13. August 1961 bis zum 9. November 1989. Diese knapp 30 Jahre haben in den Köpfen der Menschen viel verändert, was ja auch kein großes Wunder ist, wenn man über fast drei Jahrzehnte durch eine fast unüberwindbare Mauer getrennt ist. Früher war es dann wohl „normal“ geworden, zwei Mauern bzw. Grenzen in Deutschland zu haben – eine davon wie eine Ausstechform um Westberlin, aber heute ist die Vorstellung glücklicherweise schon fast unvorstellbar...

Allgemein ist es, wie ich finde, unglaublich, wie brutal und unfair es oftmals zuging ... Um mal ein paar Zahlen zu nennen: Es gab an der Grenze 55.000 Selbstschussanlagen, 173.000 inoffizielle Mitarbeiter bei der STASI und noch viele andere offizielle. Wenn man nur auf den Gedanken kam, auf die andere Seite Deutschlands zu flüchten, standen einem schon zwei Jahre Haft bevor, falls jemand von diesen Gedanken bzw. Plänen erfuhr. Dieses schrecklich große Misstrauen den Menschen gegenüber und diese Nichtachtung der Privatsphäre ist einfach nur schockierend! Einen Menschen zu überwachen, auszuhorchen und auf Schritt und Tritt zu verfolgen und um mehr Informationen über ihn zu bekommen, ihm vorzuspielen, sein bester Freund zu sein…

Auch die Wahlen liefen ja nicht viel gerechter ab, mit den schon vorgeschriebenen Sitzen der Politiker, die man nicht wählte. Man wählte nur diese Anordnung, faltete den Zettel und gab ihn ab. Nicht zur Wahl zu gehen, wäre möglich gewesen, jedoch brachte es einem sofort in große Schwierigkeiten, da im nächsten Augenblick schon der Chef von seiner jeweiligen Arbeitsstelle mit Personal der STASI vor der Tür stehen würde.

 Was ich außerdem sehr erschreckend fand, war die Erziehung der Kinder und wie sie unterrichtet wurden. Ich könnte es mir jedenfalls nicht vorstellen Wehrunterricht zu haben, lauter Matheaufgaben, die mit Soldaten und Panzern zu tun haben und Kinderlieder im Kindergarten vorgespielt zu bekommen, deren Texte Sätze wie, „und später gehe ich marschieren und werde ein Soldat trallalla… mit meinem Panzer trallalla...“ enthalten.

 Aber mindestens genauso spannend und interessant war der Vortrag von unserer äußerst engagierten, jung gebliebenen Zeitzeugin, Frau Zupke. Sie erzählte uns in den weiteren zwei Schulstunden fast ihre gesamte Lebensgeschichte in Bezug auf die Mauer und die Teilung Deutschlands.

Doch sie war nicht irgendeine Zeitzeugin, sie gehörte zu denjenigen, die wirklich etwas verändert und damit auch ihr Leben aufs Spiel gesetzt hatten. Sie konnte beweisen, dass die Wahlen eigentlich nur „Betrug“ waren und rein gar nichts mit wahrer Demokratie zu tun haben. Das war fast jedem klar, nur dass niemand es wagte, dieses auch öffentlich anzusprechen.

Ich bewundere den Mut und die Kraft von ihr sehr. Ist es doch leicht, sich über etwas im Stillen aufzuregen, aber wirklich etwas zu verändern, ist oft sehr schwierig. Es hat auch immenses Glück dazu gehört und auch etwas Zeit und Angst. Denn alleine gleichgesinnte Leute zu finden, war ja nicht einfach. Zum einen hatte eben nicht jeder den Mut dazu und zum anderen war es schwer, dafür „Werbung“ zu machen, da man ja sofort als verdächtig galt, wenn man beispielsweise etwas mehr Papier kaufte. Doch sie schaffte es.

 Jeder Schüler, der ihr zuhörte (wir waren knapp 50 mit unserer Parallelklasse der 10b), hing wie gebannt an ihren Lippen und hoffte an diesem Tag, dass noch KEIN Schulschluss war.

Zusammenfassend kann man sagen, dass diese „extra Stunden“ Geschichte sehr hilfreich, interessant und durchaus eine sinnvolle Sache waren, die man meiner Meinung nach gerne wiederholen darf (und ich bin mir sehr sicher, dass das nicht nur meine Meinung ist)! :)

Annika Bork, 10c

 

Standbilder erstellen in der 12c

So kreativ kann Geschichte sein!

Vor zwei Wochen kam unser Geschichtslehrer mit einer Aufgabe in unsere Klasse, von der wir in zwölf Jahren Schule noch nie gehört hatten: Standbilder erstellen.

tl_files/images/Bilder/DSCF6119.jpgViele von euch stellen sich jetzt sicherlich dieselbe Frage, die auch uns als erstes durch den Kopf geschossen ist: Was genau ist ein Standbild? Wie wir inzwischen wissen, ist ein Standbild die bildliche Darstellung einer Situation, eines Konflikts, oder eines Ereignisses. Die Schüler fungieren dabei wie Marionetten und stellen die Protagonisten des Ereignisses dar. Requisiten werden dabei meist nicht benötigt, allein Mimik und Gestik machen das Standbild aus.

Unsere Aufgabe war es, in Vierer- und Fünfergruppen jeweils zwei Standbilder zu erstellen, in denen die Beziehungen der europäischen Großmächte zueinander dargestellt werden sollten. Das erste Standbild zeigte die Situation 1871, dem Jahr der deutschen Reichsgründung, und das Zweite veranschaulichte den europäischen Raum 16 Jahre später, also 1887.

Bevor sich die Gruppen ihre Standbilder gegenseitig vorstellen konnten, mussten wir uns natürlich erst einmal mit dem Zeitraum auseinandersetzen und recherchieren. Außerdem brauchte jedes Standbild eine passende Überschrift. In der darauf folgenden Woche war es dann soweit und wir konnten uns gegenseitig unsere Ergebnisse präsentieren. Für das Jahr 1871, in dem die deutsche Reichsgründung die alte Ordnung zerstörte, wählten die Gruppen Titel wie „Isolation und Weitsicht“ und für das Jahr 1887, in dem Bismarck Frankreich isoliert und mehrere Bündnispartner gewonnen hat, Überschriften wie „Der Marionettenspieler“. Obwohl sich die Titel generell im Inhalt ähnelten, war es spannend zu sehen, auf was für Ideen die anderen Gruppen gekommen sind. Bei der Präsentation der Standbilder verkörperten einzelne Schüler die fünf europäischen Großmächte und versuchten durch ihre Haltung die Beziehungentl_files/images/Bilder/DSCF6120.jpg zueinander darzustellen. Wir stellten dabei fest, dass für ein gutes Standbild nur wenige erklärende Worte benötigt werden. Zudem haben wir erkannt, dass ein Standbild eine komplexe Situation viel anschaulicher darstellen kann als ein Sachtext. Gerade deshalb spielt vor allem Genauigkeit bei Standbildern eine große Rolle.

Die für uns neue Lernmethode „Standbilder“ hat in unserer Klasse bestanden und das Bild von "Frankreich am Boden" wird uns allen bestimmt noch eine Weile im Gedächtnis bleiben.

 

Geschichtszeitung „Deutschland im Jahr 1900“

Geschichte wird in der Schule meist von der Gegenwart aus im Rückblick auf die Vergangenheit betrachtet. Die 9c hat jetzt einen anderen Weg erprobt.  Sie hat versucht, das Deutsche Kaiserreich des Jahres 1900 als Zeitgenossen dieses Jahres  zu beschreiben und zu kommentieren. Die Idee war, eine amerikanische Zeitung zu gestalten, die das Deutschland Wilhelms II. seinen Lesern vorgestellt.

Die US-amerikanische Sicht wurde gewählt, da die europäischen Nachbarstaaten Deutschlands dem Kaiserreich viel weniger neutral gegenüber standen als die Amerikaner auf der anderen Seite des Atlantiks.

Das Ergebnis der Arbeit, die Tribune vom Februar 1900, kann man sich hier anschauen. Viel Spaß beim Lesen!

Das Haus Europa

     Das "Haus Europa" - von Nationalstaatlichkeit, Ausgrenzung                  und Fremdenhass zu Integration und Toleranz?!

Obwohl es sich vielleicht meist nicht so lesen mag: Ich gehöre zu der Gruppe von Schülern, die einen Aufsatz, gerade einen solchen, bei dem es eher darum geht, sich selbst mit irgendeiner arg offenen Thematik auseinanderzusetzen, denn nach klaren Vorgaben etwas zu analysieren, so lange vor sich herschieben, bis sie ihn auf den allerletzten Drücker irgendwie runterschreiben müssen. So also auch in diesem Fall. Keine Frage: Meine Schuld ist dies nicht. Vom "Haus Europa" spricht die aufgestellte These, von einer gesellschaftlichen Entwicklung, weg von negativ belasteten Begriffen hin zu wohler klingenden. Fremdenhass, Rassismus und all der Schmu sollen in den letzten Jahren Integration und Toleranz gewichen sein. Wo Fremdenhass, Rassismus und Co. herkommen sollen, das ist schon klar. Und es ist ja nun nicht so, als wenn uns nicht wirklich allen klar wäre, was mit dieser These erst einmal suggeriert wurde. Ja, oberflächlich hat sich seit 1933 in Deutschland eine ganze Menge getan. Und nein, eine Zeit wie die NS-Zeit, so etwas gibt es in unserem "friedlichen Haus Europa" wahrhaftig nicht mehr. Gott sei Dank. Doch auch wenn der Allmächtige damit wenig zu tun gehabt haben wird, möchte ich hier zu Beginn des Aufsatzes eine Sache klar stellen: Nein, ich habe keine Lust und kein gesteigertes Interesse daran, mich als übereifriger Abiturient zu tarnen und enzyklopädisches Wissen über politische Eckdaten der letzten 100 Jahre zu referieren. Dass die NS-Zeit eine Zeit der Nationalstaatlichkeit, der Ausgrenzung und des Fremdenhasses gewesen ist, dass ist nichts, was hier einer großen Erwähnung bedarf, es sollte allgemein bekannt sein. Was viel interessanter sein dürfte, ist doch die Frage, ob die heutige Zeit wirklich die Stempel “Integration” und “Toleranz” verdient. Daher also nun eine kleine Gedankenprotokollierung dazu, der ich schon vorab Unübersichtlichkeit und teilweise auftretende Themenverfehlung attestieren möchte, stets jedoch darauf berufend, dass eine persönliche Stellungnahme einer persönlichen Gewichtung zum Opfer fallen muss und sollte.

Eigentlich reicht ein Blick auf das Deutschland der vergangenen Monate aus, um eine passende und adäquate Antwort auf die Frage zu geben, ob auch heute noch Rassismus und Ausländerhetze zu finden sind: PEGIDA. Absolut, das Thema, welches völlig zurecht einen großen Platz in den Medien einnahm, mag vielen mittlerweile schon zum Halse raushängen. Doch PEGIDA existiert traurigerweise trotz erfreulicher Proteste gegen den dubiosen Verein immer noch und Ausrufe wie "Wir sind das Volk" oder "Lügenpresse!" sind mittlerweile selbst den tolerantesten Menschen ein Begriff geworden. Tja, so ist das in einem gesellschaftlichen Miteinander nun einmal. Sprache veränderte schon immer die Gesellschaft und manchmal beeinflussen eben wir Menschen auch die Sprache selbst. Heute sprechen vermeintliche Asylgegner von Spaziergängern, wenn sie eigentlich feige Mitläufer meinen. Doch man muss diese Leute verstehen: Wer sich selbst in der Welt nicht mehr so recht widerfindet, der muss dies sprachlich zwangsläufig 

irgendwie zum Ausdruck bringen, zum Beispiel durch eine Formulierung wie "Patriotische Europäer". Nun, ich darf wohl zart das Fräglein hauchen, was zum Geier ein patriotischer Europäer sei. Kurze Antwort: Ein patriotischer Europäer ist nichts weiter als ein Blinder auf der Reeperbahn. Und von daher sollte man  sämtlichen Anhängern von PEGIDA, NPD, AFD und wie all die Vereine heißen mögen sowie auch denen die gerne mal stolz auf ihr Land sind und das auch gerne äußerst stark betonen mal eines ganz deutlich in ihre Großhirne ritzen: Einen positiven Patriotismus gibt es nicht und kann es nicht geben. Er ist praktisch ein moderner Mythos. Denn die eigene Liebe zu seiner Nation fördert immer gleichzeitig auch die Ablehnung des Fremden. Nationalismus und Patriotismus sind so gesehen nur die "Straßenhuren" unter den Emotionen des Menschen: Billig, müssen fast jeden ran lassen und wenn man nicht vorsichtig ist, fängt man sich mitunter gerne auch noch mal was Schlimmeres ein. Und trotzdem behelligt uns Bundespräsident Joachim Gauck immer wieder gerne mit seinen Reden von der Identität Europas, den Idealen des Westens. Doch wie äußert sich diese Identität Europas hierzulande? Viele Menschen haben den Wunsch, endlich mal einen Schlussstrich zu ziehen unter dem Kapitel "Zweiter Weltkrieg". Statistisch gesehen wollen laut der "Zeit" 81% der Deutschen von den NS-Gräueltaten heute nichts mehr hören, es müsse endlich mal Schluss sein nach so vielen Jahren. Kein Wort mehr von den Fehlern der Vergangenheit und der Judenverfolgung. Nun gut, jüdische Opfer, die interessieren im toleranten Europa doch sowieso nur wenige. Wir konnten es 2015 doch alle erleben, als der Anschlag in Paris stattfand: Ganz Europa rief "Je Suis Charlie", doch von den jüdischen Opfern, die an diesem Tag ebenfalls ermordet wurden, erfuhr man praktisch kein Wort. Die Zeichner der Charlie Hebdo Redaktion haben sich für ihre mutigen Karikaturen unseren Respekt natürlich verdient, doch um im koscheren Supermarkt um die Ecke verprügelt oder ermordet zu werden, reicht es heutzutage immer noch aus, einfach nur Jude zu sein. Auch als bei den Anschlägen in Toulouse 2012 (der ein oder andere wird sich erinnern) drei jüdische Kinder vor ihrer Grundschule erschossen wurden, hörte man ausgerechnet von diesen drei Opfern wenig bis faktisch nichts. Und auf die Straße ist meines Wissens nach auch niemand gegangen. War vermutlich nicht Montag.

Das Schmierentheater Europa, welches uns als so tolerant und freiheitsliebend angepriesen wird und welches uns die These suggeriert, davon habe ich ganz subjektiv die Schnauze voll. Wir haben ein Grundgesetz, das alle gleich behandeln soll. Aber wir haben eine Gesellschaft, die in den Köpfen dieses angestrebte Ideal längst nicht erreicht hat und vielleicht nie erreichen wird. Der Kalte Krieg mag vorbei sein und Russland hat der Westen als "Feindbild" (wir Menschen brauchen ja immer ein Feindbild, um uns auf der “richtigen Seite” zu wähnen) längst verloren. Doch auch heute haben wir noch im alltagsrassistischen und polemischen Gebrauch Feindbilder. Und wir Deutschen sind immer sofort ganz empört, wenn irgendein Feind sich plötzlich dagegen wehrt, Feind zu sein. Das irritiert uns. Man denke nur mal an die “Schmarotzer-Griechen”, die undankbar über unsere Nation herziehen. "Wo kommen wir denn da hin? Soll das faule Pack doch arbeiten gehen!", brüllt der deutsche Stammtisch heute im Kollektiv. Die Griechen waren doch jahrelang so schön festgelegt als Antagonist im Projekt Eurorettung. Dabei hatten wir das alles doch so schön abgemacht und geregelt: Wir leihen den Griechen Geld, womit sie dann ihre Schulden unseren Banken zurückzahlen können. Gut, wir hätten unser Geld den Banken natürlich auch gleich geben können, aber so ist es auf dem Weg dorthin wenigstens einmal kurz an der frischen Luft gewesen, das hat ja auch was für sich. Tja, die Griechen zahlen hart für ihre Kredite. Und ihre Währung ist die Massenarbeitslosigkeit, die gestiegene Anzahl an Depressiven, die erhöhte Selbstmordrate und die neuen Rekordwerte in der dortigen Säuglingssterblichkeit. Doch statt den Griechen wirklich unter die Arme zu greifen, werden sie von Europa immer weiter ausgebeutet, obwohl es dort doch nun wirklich nichts mehr zu holen gibt. Das angebliche Haus Europa lacht über den Kellerbewohner. Einigkeit, Miteinander, aber vor allem Toleranz, sehen wahrhaftig ganz anders aus.

Mag sein, dass wir Frieden haben in Europa. Und das ist ja auch erstmal nicht abzustreiten oder schlecht zu reden. Doch die Kriege, welche wir nicht haben, die werden woanders ausgetragen. Und durch wen? Na, durch das Haus Europa natürlich. Hiermit möchte ich kurz auf die aktuelle Flüchtlingsproblematik zu sprechen kommen. Ganz ehrlich: Ich bin so zufrieden und glücklich wie lange nicht mehr, dass endlich etwas Handfestes unternommen wird. "Deutschland ist es sich selbst schuldig, etwas zu unternehmen", hat Angela Merkel bereits vor Monaten bei einer Ansprache zum Besten gegeben. Recht hat sie. Uns sind wir das schuldig und doch nicht etwa den Flüchtlingen! Unserem eigenen Anspruch sollten wir entsprechen. Dass wir die Latte damit so hochhängen, dass die fiesen Gutmenschen mit ihren verflixten Maximalforderungen und Erwartungen bequem stehend Limbo mit ihr spielen, sollte nicht unser Problem sein. Wo kommen sie denn her, die ganzen Flüchtlinge? Hm? Aus Ägypten, Lybien. Auch aus Syrien beispielsweise. Und gerade in Syrien haben wir Deutschen doch eigentlich schon viel zu viel getan, wenn man mal drüber nachdenkt. Erst haben wir den dortigen Diktator mit Hilfe der USA unterstützt und gepusht, dann haben wir seine millitärischen Gegner (junge Rebellen, die ihr Staatsoberhaupt stürzen wollten) durch Waffenlieferungen zur IS werden lassen, dann haben die den Nordirak überfallen, dann haben wir dahin Waffen geliefert... ja, meine Güte noch mal! Was sollen wir denn noch alles tun? Wir wollen doch nur Kriegsverbrechen verhindern. Und mehr geht da doch nun wirklich nicht, als das, was wir bereits getan haben. Da darf man uns nicht unterschätzen, speziell wir Deutschen haben ja auch unsere eigenen Kriegsverbrecher nach 1945 mit unerschütterlicher Erbarmungslosigkeit gejagt, um ihnen 50 oder 60 Jahre später ihr gerechtes Urteil vor Augen zu führen: Meistens war dies der Freispruch. Aber mein Gott, was soll man machen? Einfach alle Flüchtlinge hier reinlassen und akzeptieren als das was sie sind, nämlich ein Resultat unserer hässlichen und schmutzigen Weltpolitik? So einfach dürfen wir es uns nicht machen, sage ich. Gut, ich kenne die Bilder aus dem Libanon, aber da ist man den Anblick von Not, Elend und Verzweiflung doch gewohnt, wir Europäer sind da einfach zu empfindlich. Der Sachse hat da doch keine andere Wahl, als auf die Straße zu gehen, immerhin wissen die Sachsen durch die miesen Verhältnisse in der ehemaligen DDR sehr genau, wie es ist am Existenzminimum zu leben. Und dann will der freche Asylant auch noch arbeiten gehen. Das muss doch auf Unverständnis stoßen. Na gut, dann geraten da einige Aufeinandertreffen eben mal in feuriger Erregung etwas robust, aber man darf es dann auch nicht übertreiben. Lächerlich, wie allein deshalb das Ausland wieder seine bösen Vorurteile über Deutschland rauskramt...  Jetzt fängt der Ausländer ja auch noch das Navigieren an, das Anpeilen schützender Nationen, dabei (ihr alle werdet mir zustimmen) kann er das gar nicht. Hat er nie gelernt, Physik. In welcher Schule denn auch? Deshalb helfen auch die elenden Gutmenschen nichts, die da jetzt rüber fahren und ihnen die Hand reichen: Das Maß und das Boot sind voll! Und davor müssen wir die Flüchtlinge schützen. Wir sehen doch aktuell nur allzu gerne, was passiert, wenn man versucht, sie über das Wasser zu bringen. Die "Schwarzen" steigen ins Boot, rennen aus totaler Unkenntnis alle auf eine Seite und kentern. Da hat der Gutmensch dann auch eine Mitschuld. Vielleicht ist es daher besser, die Mauer wieder aufzubauen, die einst Deutschland teilte. Dieses Mal aber nicht durch das Land, sondern außen rum. Eine Festung Europa muss her. Überlegt doch mal, wen wir uns da möglicherweise ins Land holen: Junge Rebellen, die ihr Staatsoberhaupt mit Waffengewalt gestürzt haben... möchtet ihr solche Leute in der Gegend wissen?

Ich hoffe, dass man aus diesen (satirischen) Worten eben eines heraushören konnte: Toleranz, Integration und Frieden, davon sind wir im Haus Europa weit entfernt. Und wenn ich wir sage, dann meine ich natürlich vor allem die tatsächlich Intoleranten, aber auch die vielen innerhalb der Gesellschaft, die einfach wegschauen oder sich mit dem Thema Flüchtlingspolitik nur in der Form auseinandersetzen, als das sie einmal auf facebook schreiben, wie doof sie PEGIDA und Co. finden, aber nicht aktiv werden. Denn auch das ist eine Form der Intoleranz, das gewollte oder ungewollte Verschließen der Augen. Wir reden doch in Deutschland seit Ewigkeiten von Flüchtlingsdramen oder Flüchtlingsschicksalen. Klingt ja auch alles netter, als wenn wir es faktisch korrekt mit "Unterlassene Hilfeleistung" betiteln würden. Und wir sprechen bei Anhängern PEGIDAs oder jenen, die Flüchtlingsheime anzünden nicht vom rechtsradikalem Gesindel oder dem Abschaum der modernen liberalen  Gesellschaft, wir nennen sie lieber Asylgegner. Doch eines versichere ich: Diese Menschen sind keine Asylgegner. Das Wort "Asylgegner" impliziert, dass sich jemand hingesetzt und mit der Asylpolitik ernsthaft auseinandergesetzt hat. Das ist eindeutig nie der Fall gewesen. Wer die rassistischen Idioten auf deutschen Straßen als Asylgegner bezeichnet, der hat keine Ahnung davon, wo im Satz "Ich bin von Grund auf mit der deutschen Familienpolitik unzufrieden, also wird es dringend Zeit, mal eine Kita und einen Kindergarten anzuzünden" der Fehler liegt. Rassismus ist genauso wie Untätigkeit gegen Rassismus das allerletzte und immer noch ein gewaltiges Problem im Hause Europa! Eine letzte Sache möchte ich aber noch kurz ansprechen: Mir ist der Fakt bewusst, dass ich bei all dieser Moralapostellei ein enormes Glaubwürdigkeitsdefizit habe. Ich selbst bin ja nicht besser. Keinen Deut. Ich schimpfe über die bösen Nationalisten, Patriotisten und Wegschauer, doch selbst habe ich mich noch nie am Bau eines Flüchtlingsheimes beteiligt, Geld gespendet oder Klamotten gesammelt. "Das Empören über die Fehler anderer ist psychologisch so ungeheuer wichtig, weil es einem das Gefühl gibt, im Gedanken freier als die geistig Eingeschränkten zu sein. Dieses Gefühl der mentalen Überlegenheit ist der Grund, warum wir selbst nicht glauben, aktiv werden zu müssen", schreibt jedenfalls  Sabine Tudong vom Spiegel. Hat sie schön ausgedrückt, besser hätte ich es nicht gekonnt. Ich les solche Ansichten gerne, weil ich danach exakt so weiterlebe wie zuvor, aber mit einem neuen Bewusstsein für das große Ganze. Natürlich könnte ich mich sozial engagieren. Aber ich tue es nicht. Ist mir zu anstrengend. Ich setze mich lieber auf den letzten Drücker abends vor meinen PC und schreibe einen Schulaufsatz, mit dem ich Lehrern und Mitschülern eine Predigt über ihre Fehler halten kann und ändere zusätzlich auf Facebook mein Profilbild in "Gegen Fremdenhass!". Das reicht mir persönlich an kritischer Auseinandersetzung mit dem Thema. Ich verstehe mich in solchen Situationen selbst nicht. Da draußen in meinem Land gibt es Menschen, denen es um ein Tausendfaches schlechter geht als mir. Und Statistiken sagen, dass, würden sich nur 15% aller Menschen in Europa gemeinnützig für Flüchtlinge engagieren, man deren Lebensstandard um ein ebenso enormes Vielfaches verbessern könnte. Aber ich tue es nicht. Irgendwer muss ja die restlichen 85% formen, nicht wahr?

Was hängenbleiben soll, ist also nicht der Appell, rauszugehen und die Welt jetzt besser zu machen. Nein. Das wäre albern. Es wäre Schwachsinn und Unfug, weil das mir wohl am allerwenigsten zusteht. Doch, was wirklich zählt, ist, dass wir uns eines immer klar machen: In einer Welt, in der Politik für Statistiken und die Wirtschaft gemacht wird, statt für Menschen, in einer Welt, in der Menschen auf die Straßen gehen, um gegen andere Mitmenschen zu hetzen, in einer Welt, in der uns nur Opfer unserer eigenen Nationalität oder Glaubensrichtung interesseren, in einer Welt, in der wir alle von den Deutschen, den Griechen, den Amis, den Russen und so weiter reden und auf die eine Nation verächtlich mit dem Finger zeigen, in so einer Welt sind Toleranz, Integration und Freiheit nur eine Illusion, die uns Wohlgenährten Sicherheit verspricht, aber am Ende immer zu Ungunsten einer anderen Partei ausfallen wird. Was wir mit diesem Wissen anfangen? Da sind wir tatsächlich eines: Frei in unseren Möglichkeiten.

(Michael H.;  03.09.2015)